Trauerbegleitung
Seelsorge mit besonderen Herausforderungen

Die Begleitung von Trauernden zählt zu den besonders sensiblen Aufgaben der kirchlichen Seelsorge und hat eine hohe Priorität. Begegnung mit Trauernden und Seelsorge an ihnen erfordert ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen. Gegenseitiges Vertrauen ‒ das der Trauernden und das der Seelsorger ‒ ist eine gute Voraussetzung für eine einfühlsame Trauerbegleitung.

Trauer - ein höchst individueller Prozess

Der Verlust eines geliebten Menschen löst Trauer aus. Trauernde Menschen fühlen sich zwischen Gedanken der Vernunft und ihren Emotionen hin- und hergerissen. Trauer ist wie der Fingerabdruck eines Menschen, ganz individuell und einzigartig. Sie tritt daher in vielfältigen und ganz unterschiedlichen Erscheinungsformen auf. Das können Fassungslosigkeit, Niedergeschlagenheit, Wut, Schock, Schuld, Einsamkeit, Furcht und Panik sein. Manche fühlen sich verwirrt, alleingelassen, enttäuscht; andere sind versteinert, wie gelähmt oder euphorisch.

Trauer ist aber nicht nur das Aushalten dieser gefühlsmäßigen Ausnahmesituation des Betroffenen. Sie umfasst auch den Prozess der emotionalen Bewältigung des Verlusts, der von der Persönlichkeit des Betroffenen abhängt und individuell verläuft.

Trauerbewältigung - Gemeinschaftsarbeit

Plötzlich ist alles anders! Von jetzt auf gleich ändert sich das gewohnte Leben. Ein geliebter Mensch ist gestorben. Hinterbliebene müssen sich in einer völlig veränderten Lebenswirklichkeit zurechtfinden und ihrem bisherigen Leben ungewollt eine neue Richtung geben. Hier gilt es, Hilfe zur Trauerbewältigung anzubieten.

Menschen in ihrer Trauer begleiten kann im Prinzip jeder: da sein, zuhören, mitfühlen. Wichtig ist, dass sich Trauernde bei der Bewältigung ihres Schmerzes weder alleine noch bedrängt fühlen.

Dieser Prozess kann Wochen oder Monate, aber auch mehrere Jahre andauern. Es ist die Aufgabe sensibler Seelsorge, Trauernde während dieser Zeit auf Wunsch kompetent zu begleiten. Dabei muss die Seelsorge einen langen Atem haben und soll verlässlich sein.

Angebote der Trauerbegleitung

Zu den kirchlichen Angeboten der Trauerbegleitung zählen insbesondere Kondolenzbesuche, Trauerfeiern und Seelsorgegespräche.

Bisweilen gerät jedoch die Seelsorge durch Amtsträger in den Gemeinden wegen der oft langwierigen und höchst unterschiedlichen Prozesse der Trauerbewältigung an Grenzen der zeitlichen Machbarkeit.

Die in einigen Bezirken angebotenen Trauergesprächskreise stellen ein weiteres Seelsorgeangebot der Kirche dar, das dem seelsorgerischen Dienst der Amtsträger eine wertvolle Unterstützung bietet.

Diese Gesprächskreise die bezugnehmend auf ihre Wirkung auch Traueroasen genannt werden wollen Trauernden Raum und Zeit geben, ihre Trauer gemeinsam mit anderen Betroffenen zu verarbeiten.

 

Merkmale der Trauerseelsorge

Zwar kann Trauerseelsorge die Trauer an sich nicht nehmen, doch soll sie den Trauernden unterstützen, die Verlusterfahrung in ihr Leben zu integrieren und eine neue Lebensgestaltung zu finden. Das geschieht in mehreren Phasen und ist eine sehr anspruchsvolle Arbeit.

Zu den herausragenden Merkmalen der Trauerseelsorge zählen, zuhören und Stille ertragen zu können. Trauerbegleiter dürfen Trauernden keine Entscheidungen abnehmen oder vorschreiben, was zu tun oder wie zu empfinden ist.

Trauerseelsorge darf Unterstützung anbieten bei der Suche des Trauernden nach neuen Wegen ins Leben hinein. Unterstützende Trauerseelsorge ist wie eine gemeinsame „Spurensuche“, um diesen Weg zu finden. Dabei ist die Kompetenz des Trauernden bei der Wahl seines Wegs zu akzeptieren.

Bibelwort des Tages

 Ihr seid meine Zeugen, spricht der HERR, und mein Knecht, den ich erwählt habe, damit ihr wisst und mir glaubt und erkennt, dass ich's bin. Vor mir ist kein Gott gemacht, so wird auch nach mir keiner sein.
Jesaja 43,10